Ich schreibe seit fünfzehn Jahren über Familienrecht, Vaterschaft und das, was zwischen Männern und Frauen politisch gerade schiefläuft. Angefangen hat es mit einem Blog über Familienrollen und getrennte Elternschaft – Wechselmodell, Sorgerecht, all das. Eines Tages merkte ich: Die Sexismus-Debatten, die immer wieder hochkochen, gehören in ein eigenes Gefäß. Also, hier sind wir.
Meine Position lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Gleichberechtigung bedeutet gleiche Rechte und gleiche Verantwortung – oder sie bedeutet gar nichts.
Ich bin dankbar für jede Frau, die das genauso sieht. Und ich bin überzeugt: Die größten Profiteure selbstbestimmter, verantwortungsbewusster Frauen sind Männer, die ihrerseits ein selbstbestimmtes Leben führen wollen. Das eine bedingt das andere.
Was mich hingegen ermüdet, ist ein Feminismus, der Eigenverantwortung zur Einbahnstraße erklärt. Der Muster kennt wie dieses: Eine Frau trifft eine Entscheidung. Die Entscheidung hat Konsequenzen. Dreizehn Jahre später, wenn die eigene Tochter unbequeme Fragen stellt, war es natürlich das Patriarchat. Konkret: Eine Frau, die ihr Studium als Prostituierte finanziert hat — aus freier Entscheidung, ohne Schlepper, ohne Zwang – wird zur Kampagnen-Ikone, sobald ihr die Entscheidung peinlich wird. Die Schuld tragen die Männer, die den finanziellen Anreiz geliefert haben. Dass sie auch einfach hätte Nein sagen können, erwähnt die Emma nicht.
Bei Männern läuft das anders. Wenn Männern etwas Schlechtes passiert, gilt meistens: selbst schuld.
Ich stand übrigens selbst vor einer ähnlichen Option. Mit achtzehn hätte ich mein Studium auch auf diese Weise finanzieren können. Ich habe Nein gesagt – und mir damit erspart, dem freundlichen alten Herrn fünfzehn Jahre später vorzuwerfen, er sei nur an meinem Adonis-Hintern interessiert gewesen und nicht an mir als Person. Oder zu erklären: „Ich war jung und brauchte das Geld.“ Jeder braucht Geld. Wie man es verdient, ist die eigene Entscheidung – und für die sollte man Verantwortung übernehmen, auch wenn sie peinlich wird, wenn die Kinder sie eines Tages im Internet finden.
Ein Feminismus, der Frauen von Eigenverantwortung befreit, wird keine Gleichberechtigung produzieren. Er wird Frauen in der Opferrolle festhalten – und jeden Mann vergraulen, der an einer echten Gleichberechtigung interessiert wäre.
Ich bin Vater von drei Kindern und schreibe hier ohne Rücksicht auf Applaus.
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