Es ist faszinierend, aber während sich „Die Anstalt“ bislang durch eine humoristische aber kritische Auseinandersetzungen mit Diskussionen, welche in den Massenmedien kochten, auszeichnete, haben sie es am 28.4.2015 für nötig gehalten, die Lanze für den Feminismus zu brechen. Offensichtlich sind  Bewegungen wie „Women against Feminism“ inzwischen so laut geworden, dass sich auch hier mal wieder ein paar Männer als Lila Pudel outen mussten, um die gegenwärtig als Feminismus bezeichnete Opferstigmatisierung junger Frauen wiederzubeleben.

Sicherlich wäre eine wirklich neutrale und kritische Auseinandersetzung mit Gleichberechtigung und Sexismus wünschenswert, aber natürlich hätten sich Max Ultholf und Claus von Wagner dann nicht auf das simple repetieren von Männer- und Frauenunterdrückungsklischees beschränkten dürfen. Und so haben sie lieber die aus der Mottenkiste geholt, um dem Publikum zu erklären, warum der Feminismus nicht tot ist. Leider werden diese Klischees auch beim 75 wiederholen nicht wahrer. Die große Frage, die ich mir die ganze Zeit stellte, war, ob sie diese Klischees wirklich noch glauben und wie diese Sendung wohl angekommen wäre, wenn dieser üble Sexismus umgekehrt präsentiert worden wäre.

Es hatte schon etwas erbärmliches, wie sie sich Herr Ulthoff und Herr von Wagner meinen, dass sie sich selber dabei als Klischeemänner outen müssen um sich für die Frauensache einzubringen. Sie stehen lieber auf der Bühne und verdienen Geld, als ihren Frauen bei der Erziehung unter die Arme zu greifen. Auch das Runterbeten, wie wichtig der Feminismus immer noch sei, weil Frauen ja nach dem ersten Kind die Karriere in die Tonne treten können, hinterließ bei mir nur die Frage: Warum eigentlich? Weil sie unter der Fuchtel des Patriarchats stehen? Oder weil sie vernünftiger sind als Männer und Familie interessanter finden, als (wie es Tyler Durdon in Fight Club auf den Punkt bringt): „Jobs zu machen, die sie hassen, um Dinge zu kaufen, die sie nicht brauchen?

Freiheit für die Frauen

Frauen haben heute jedes Recht, sich ihren Wunschkind-Erzeuger auszuwählen, bzw. zu verhindern, von einem Mann ein Kind zu bekommen, der nicht genau so viel Spaß am Familienleben hat. Vielleicht hätten die Macher der Anstalt sich mal die durchaus interessante Reportage „Papa Trau dich“ ansehen sollen. Dort werden Männer gezeigt, die lieber Bezugsperson für das Kind sind und trotzdem noch Geld verdienen. Die zeichnen sich allerdings vor allem dadurch aus, dass sie Frauen  haben, die auch die Familienfinanzierer Rolle übernehmen können und wollen. Und vor allem zeigt die Sendung dass die Wirtschaft darauf reagiert. Jede Menge Frauen stellen tagtäglich unter Beweis, dass es nicht zwingend geschlechterabhängig ist, Familie und Geldverdienst unter einen Hut zu bringen. Wenn man in solchen Diskussionen komplett ausblendet, dass es vielleicht trotzdem ein biologisches Phänomen ist, wenn Frauen sich hiermit schwerer tun, und dass auch bei der Bereitschaft zur Kindeserziehung, die alte Trennungsweisheit zutrifft: „Es gehören meist zwei dazu.“, dann muss man sich nicht wundern, dass vor allem dieser Opferfeminismus, den auch diese Sendung mal wieder zelebriert hat, inzwischen nicht mehr wirklich mehrheitsfähig ist.

Witze für die Väter

Dumme Witze über junge Väter zu machen, die nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen, wenn Mutti ihnen während der Live-Sendung einfach das schreiende Kind in die Garderobe legt, sind natürlich mal wieder ein gutes Beispiel für den Sexismus dieser Diskussion. Man stelle sich den #Aufschrei vor, wenn man sich auf diese Weise über die künftige Aufsichtsrats-Quotenfrau lustig gemacht hätte, die sich spontan in der Aufsichtsratssitzung entscheiden muss, ob sie jetzt die Brust gibt oder weiter erklärt, wie sich das Schicksal des Dax-Unternehmens in den nächsten fünf Jahren gestalten soll.

Man kann natürlich nicht von einer Mutter so viel Selbstverantwortung erwarten, dass sie mit ihrem Partner die Betreuungszeiten auf Augenhöhe ausdiskutiert. Wo kämen wir denn da hin, wenn Frau das ohne die gute alte Übermutter Feminismus schafft. Als meine Frau damals mit unseren 1 und 4 Jährigen Kindern ihr Abitur an der Abendschule nachmachen wollte, haben wir die Zeiten abgestimmt, wann ich Zuhause sein musste, damit sie noch pünktlich zur Schule kommt und als kluge Frau hat sie gleich eine halbe Stunde Puffer mit ausgehandelt, falls ich wirklich einmal aufgehalten werden sollte. Das war kein Problem. Das Schaffen -zig Paare auch so. Die Bildungsbürger Ulthof und von Wagner trauen Frauen offensichtlich nicht diese Fähigkeit zu, mit ihren erkämpften Rechten auch selbstverantwortlich umzugehen und hier Partner zu suchen, mit denen sie Absprachen treffen, die ihnen eine Fortsetzung ihrer Karriere ermöglichen.

Der wahre Sexismus

Ich frage mich immer, wer da eine Sexismus-Abendschulung besuchen muss:

Jene, die glauben, dass Frauen heutzutage alles schaffen können, ohne dass man ihnen Entscheidungen vorschreibt und ihnen dabei den Hintern pudert. Oder jene, die meinen, Frauen können das heute immer noch nicht alleine. weshalb man ihnen immer noch eine goldene Brücke bauen muss, damit sie den Wert einer Berufskarriere über den Wert des Familienlebens stellen. Erschreckenderweise stellen sich dieselben Menschen nicht die Frage, ob es sinnvoll wäre, Männern eine solche Brücke in die Familienwelt zu bauen. Aber hey, Das sind Männer. und der ware Pussyfeminist geht natürlich davon aus, dass Männer so toll und stark sind , dass sie nicht einmal eine rechtliche Gleichstellung vorm Familiengericht bräuchten, um das von sich aus schaffen, wenn sie denn nur wollten. Geschlechterverhältnisse von 90:10 beklagen wir natürlich nur, wenn die Frauen die benachteiligte Minderheit stellen, aber nicht, wenn es 90 % der Männer sind, die nach Trennungen aus dem Alltagsleben der Kinder entfernt werden. Wundert sich eigentlich, wenn Männer so ungern ihre Karriere opfern, wenn ihnen nicht einmal automatisch das Sorgerecht zugestanden werden soll. Auf eine rechtliche Grundlage für ein Wechselmodell, warten wir sicher noch die nächsten 10 Jahre darauf.

Aber wie gesagt. der Sexismus dieser Ideologie Zeit sich, dass man selbstverständlich davon ausgeht, dass Männer nicht einmal eine Rechtliche Gleichstellung bräuchten um sich für die Familie zu entscheiden, während man die Hausfrauenehe natürlich in Vorleistung abschaffen musste, obwohl die Meisten Frauen auch heute kaum einen Unterschied merken, wenn nach dem ersten Kind nur noch 15 % vollzeit arbeiten wollen und 80% der teilzeitarbeitenden damit sogar glücklich sind

Letztendlich sind die Feminismusanhänger diejenigen, die seixstisch über Frauen denken, weil sie die armen Frauen offensichtlich für vollkommen unfähig halten, mit ihren Rechten sinnvoll und Verantwortungsbewusst umzugehen. Tut mir leid, aber so viel Sexismus überzeugt mich leider immer noch nicht, dass Feminismus heutzutage noch irgendeinen Zweck erfüllt, außer einigen Frauen mit karriereuntauglichen Berufsabschlüssen einen Job zu verschaffen. Wenn es dem Feminismus nicht um Gleichberechtigung, sondern nur noch um Gleichstellung geht, dann wäre es für eine kritische Sendung vielleicht einfach mal angebrachter gewesen um zu hinterfragen, inwiefern hier mit weiterer Frauenförderung gegen Windmühlen der Biologie angekämpft wird. statt einfach vorauszusetzen, dass es „strukturelle Diskriminierung“ sein muss, Wenn Mutti nach dem ersten Kind Familie Wichtiger als Boardmeetings findet. Satt mal wieder die Frau als ewiges Opfer zu stilisieren, wäre es vielleicht sinnvoller für die berufliche Karriere von Frauen, wenn Männer erst mal im Familienbereich gleichberechtigt wären. Denn Männer bleiben spätestens nach der Trennung Eltern zweiter Klasse , und jeder hat inzwischen Freunde und Bekannte, denen nach der Trennung nur noch die Karriere als Anker blieb, egal ob sie lieber sie Bezugsperson für ihre Kinder geblieben wären. Solange die Diskussionen über ein Leitbild Wechselmodell nicht mit der gleichen Leidenschaft geführt wird, wie die Diskussion um Lohntransparenzgesetz, Vorstandsquote oder Tampontax, solange muss man sich nicht wundern, wenn sich in Deutschland nichts bewegt. Solange setzen Männer eher auf die einzige Sicherheit, die der Gesetzgeber ihnen auch nach lässt: Die Karriere, die sicherlich von den 48 Stunden profitiert, welche durch die gesteigerte Erwerbsobliegenheit gefordert werden kann, wenn der Vater nicht tatsächlich 50% ige Betreuung durchsetzen kann.
Letztendlich wären diejenigen, die am meisten von einer Gleichstellung profitieren würden Männer.

Aber hier zeigt sich vermutlich die größte Doppelmoral des Feminismus. Wenn Männer nur 10 % der Alleinerziehenden stellen, wird einfach unterstellt, dass es eine freie Entscheidung der Väter ist, sich nicht kümmern zu wollen. Wenn Frauen nur zu 25 % in Aufsichtsräten sitzen, hat das natürlich mit einer gläsernen Decke und der Unterdrückung der Frau zu tun. Der Gesetzgeber, und vor allem die Frauenförderer tun einen feuchten Kehricht dafür, im Bereich der weiblichen Kernkompetenz Gleichstellung durchzusetzen. Man kann alleinerziehenden Müttern natürlich nicht ihren privilegierten Zugriff aufs Kind kurzen.

Ich vermute, dass es wesentlich mehr Männer gibt, die sie für ihre Kinder einbringen wollen. Leidr werden denen im Sorge- und Unterhaltsrecht Felsbrocken in den Weg gelegt. Dagegen kenne ich weit  weniger Frauen, die ein Interesse an einem Job wie im Aufsichtsrat eines Dax-Unternehmen haben, solange der mit einem erfüllten Familienleben inkompatibel ist. Auch Männer üben so einen Job auf Kosten ihrer Familienbeteiligung aus.

Vielleicht ist es doch nicht die Schuld eines ominösen Patriarchats, welches den Patriarchen aus der Familie entfernt, seine Lebenserwartung um fünf Jahre verkürzt und seine Gender-Selbstmordquote auf über 80% hebt. Auch wenn Herr Ulthoff und Herr von Wagner dem Publikum das einreden wollen.

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