Wenn Anhänger des Residenzmodells sagen „Man muss jede Familie individuell betrachten“ Dann sagen sie eigentlich „Ich bin momentan die Privilegierte und will dieses Privileg verteidigen“, denn dass jede Familie als einzigartig individuell betrachtet wird, will keiner wirklich.
Wie soll das auch gehen? Wenn es im Familienrecht kein impliziertes Leitbild gäbe, müssen die Kinder erstmal ins Heim oder zur Pflegefamilie, bis das Gericht Gutachter auf die Eltern gehetzt hat, damit diese genau ergründen, wo die Kinder das geeignetere Zuhause haben.
Man könnte nicht einfach sagen, „wir schreiben den Status Quo vor der Trennung einfach nach der Trennung fort.“ Die Trennung ist einen Reset. Die meisten Familienfinanzierer erleben vorher trotzdem jeden Tag ihre Kinder. Und die Kinder erleben ihn.
Eine Frau, die im finanzierten Eigenheim, die perfekte Mutter geben konnte, scheitert plötzlich, wenn sie die Dreizimmerwohnung mit Unterhalt und einer Teilzeitstelle selber finanzieren muss und noch eine neue Beziehung aufbauen möchte.
Eine Trennung ist immer ein Reset
Die Mutter, die sich vorher nie um ihre Rente Gedanken machen musste, muss schnell wieder gegen die Altersarmut anarbeiten, die alte Karriere wieder aufnehmen. Je schneller, desto größer die Chance, dass das klappt.
Und der Familien-finanzierende Mann muss sich schnell überlegen, ob er sein Familienleben von 7 to 9 und jedem Wochenende auf jedes zweite Wochenende einstampfen und eine Familie finanzieren will, von der er kein Teil mehr sein soll. Denn familiäre Bindung entsteht im Alltag.
Anhänger des Residenzmodells, die ihr Mantra „Jede Familie ist individuell“ runterbeten, wollen diese Entscheidung zum Kampf machen. Sie wissen, dass sie unter dem Leitbild Residenzmodell, welches unser Familienrecht implizit vorgibt, die besseren Waffen haben.
Und jeden Tag, den sie diese Entscheidung gegen das Leitbild hinauszögern desto besser werden, ihre Chancen, den Prozess gegen das Leitbild zu gewinnen. Die Kinder, denen der Alltag mit dem anderen Elternteil geraubt wird, gewöhnen sich an das Leben ohne ihn. Und der andere Elternteil gewöhnt sich an ein Leben ohne Kinder und kann es sich immer weniger den Alltag mit ihnen vorstellen, denn wie bei allem, was wir nicht regelmäßig machen, erscheint es, je weniger wir es praktizieren, kompliziert und nicht zu bewerkstelligen.
Dabei sind Kinder keine Raketenwissenschaft. Jeder Elternteil, der sich darauf eingelassen hat, stellt fest, dass es nach zwei drei anstrengenden Wochen zur Routine wird, und sich auf all die anstrengenden Notwendigkeiten ein Automatismus entwickelt. Anstrengend ist das nur, wenn man über jede Alltäglichkeit nachdenken muss. Das ist wie beim Autofahren. Die Stunden in der Fahrschule denkt man „Ich schaffe es nie aus der Intuition heraus blind hochzuschalten, wenn das der Motor die Drehzahl erreicht hat.“ Nachdem man ein paar Wochen gefahren ist fragt man sich wieso man daran früher Gedanken verschwendet hat.
Es ist nicht die „Quality Time“, die man an den Wochenenden mit den Kindern verbringen kann, die die Nähe aufbaut. Es ist der Alltag. Es ist die Zeit, wo die Kinder einfach wissen, dass man da ist. Auch wenn man nicht die ganze Zeit mit ihnen spielt, schafft diese Zeit Bindung. Nicht der Sonntag, sondern der Mittwoch schafft die Bindung.
Verfechter des Residenzmodells beten ihr Mantra von der „Einzelfallprüfung“, weil sie genau wissen, dass sie in der privilegierten Position sind, dass man SIE nicht im Einzelfall prüft. Es hat nichts mit Individualität zu tun sich Standards oder Leitbildern zu verweigern.
Auch jeder Autofahrer ist individuell in seinem Fahrstil, trotzdem müssen wir nicht im Einzelfall prüfen ob für ihn nun die 30er-Zone gilt, oder ob er sie überhaupt befahren darf?
Nicht alle Familien sind Gleich, aber das ist egal
Anhänger des Leitbilds Wechselmodell glauben auch nicht, dass alle Familien gleich sind. Sie gehen prinzipiell davon aus, dass Eltern erwachsene Menschen sind und ihre individuellen Lösungen in der Regel alleine aushandeln können, wenn sie am Kindeswohl interessiert sind.
Anhänger des Wechselmodells wollen, nur wenn Eltern nicht alleine ihre Individuallösung finden können, vor Gericht das Wechselmodell als Basis, denn erwachsene Menschen können sich um ihre Kinder kümmern. Basta. Das ist ein Fakt, der für die Mehrheit der Eltern gilt. Gerichte sollen sich nicht um die Mehrheit kümmern, Gerichte sollen sich um die Einzelfälle kümmern, wo das tatsächlich nicht möglich ist. Und Gründe dürfen, wenn beide das soziale Umfeld des Kindes aufrechterhalten können, nur sein. Gewalttätigkeit gegen die Kinder, Unwille das Arbeitspensum der Kindesbetreuung anzupassen, und kindeswohlgefährdende psychische Probleme. Und nicht ob es bei Papa mal Burger oder einen FSK12 Film für 8-Jährige, einen Computer oder einen Jogurt von Bauer statt der zuckerfreien Variante von Demeter gibt. Man glaubt es nicht, aber es gibt tatsächlich Eltern, die sich in der Mediation über letzteres streiten. Nur sollten Familiengerichte sie damit nicht durchkommen lassen.

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