Vorgestern war aufs Neue der Tag, an dem all die »neuen Väter« wieder in Postings, Tweets und auf anderen digitalen Toilettenwänden ihre Meinung kundtun durften, was »echte Väter« ja am Vatertag machen (nämlich mit ihren Kindern verbringen).
Sorry, wenn ich jedes Mal das Brechen bekomme bei so viel #VirtueSignalling. Ein schönes Beispiel ist da der Artikel von Tillmann Pruefer in der Zeit.

Wer meint, dass nur Väter, die am #Vatertag was mit ihren Kindern machen, echte Väter sind, der scheint seine Vaterschaft den Rest des Jahres nicht ausreichend auszuleben.
Unterstellen diese Leute auch Müttern, die sich ein, zwei Tage im Jahr eine Auszeit in der Saunalandschaft gönnen oder die Kinder für einen Wellnessurlaub zu den Großeltern abschieben, dass sie schlechte Mütter sind?
Warum tun wir das also beim #Vater?
Meine Kinder können wir 364 Tage im Jahr ein Ohr abkauen, Federballspielen, zum Schwimmen gehen oder Fragen zum Sinn des Lebens stellen.
Auch wenn ich mir gestern freigenommen hätte, würde mich das nicht zu einem schlechteren Vater machen, als jene Männer, die den Eindruck erwecken, sie müssten sich krampfhaft auf Twitter bei der holden Weiblichkeit zur Familiengründung vermarkten.
Könnt ihr also vielleicht einfach mal aufhören, eure beschränkte Vorstellung, wie ein Vater zu sein hat, anderen aufzudrängen?
Es ist für viele Väter auch so nicht leicht, ihren eigenen Weg zu finden, wie sie ihre Vaterrolle ausfüllen wollen.
Da weiß man plötzlich, wie sich Jogi Löw gefühlt haben muss, wenn 40 Millionen Besserwisser glauben, ihm erklären zu müssen, wie er seinen Job macht.

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