Es ist Zeit, eine unbequeme Wahrheit auszusprechen: Ein großer Teil des zeitgenössischen Feminismus arbeitet aktiv gegen Gleichberechtigung – nicht weil er böse ist, sondern weil er strukturell einseitig denkt. Aktivistinnen reden über Männer, nicht mit ihnen. Sie ignorieren die Hälfte der Probleme und nennen das Fortschritt.
Das beginnt bei der Elternzeit. Die Botschaft ist simpel: „Männer nehmen zu wenig Elternzeit, also sind Männer das Problem.“ Fertig. Alle anderen Faktoren – Familienrecht, finanzielle Abhängigkeit, Karriererisiko, soziale Stigmatisierung – werden elegant ausgeblendet. Und genau das verfestigt die Stereotype, die überall wirken.
Männer stecken in einem Doppelbind. Sie sollen emotional präsent sein, ihre Bedürfnisse artikulieren – werden aber sofort als „fragil“ oder „Incel“ etikettiert, wenn sie das tun. Das ist kein Dialog, das ist ein Schweigepakt mit Konsequenzen. Wer seine Verletzungen benennt – dass das Familienrecht ihm schadet, dass er sich strukturell unsichtbar fühlt – wird nicht als ehrlich wahrgenommen, sondern als Loser. Also leiden Männer still. Und das sichert die nächste Generation derselben Probleme.
Aus Mankos werden Privilegien
Aber es wird noch perfider: Diese strukturelle Benachteiligung wird dann als Beweis für männliche Privilegien genutzt. Wenn ein Mann sich gegen das Familienrecht nicht durchsetzt, kann er ja nur unwillig sein. Also muss ein Mann, der wirklich will, sich überall durchsetzen können. Das ist die unbewusste Prämisse im Recruiting – und die führt direkt zu: „Frauen sind die schwächere Partei, die man unterstützen muss. Männer sind die Naturgewalt, die sich halt durchsetzt.“
Man nutzt strukturelle Benachteiligung von Männern als Beweis ihrer strukturellen Privilegien.
Solange dieser Aktivismus davon ausgeht, dass Männer einfach nur nicht wollen, ändert sich nichts – weder im Familienrecht noch am Arbeitsmarkt. Und solange Männer, die ihre Probleme benennen, gesellschaftlich bestraft werden, bleiben die Strukturen unsichtbar.
Wer die Geschichte ignoriert wiederholt sie
Wie unsichtbar, zeigt ein Blick in meine eigene Familie. 1996 sprach ich mit meinem Vater darüber, wie schwer es war, meine eigene Vaterrolle zu finden. Seine Antwort traf mich: „Ja, es ist verdammt schwer, wenn man dafür kein Vorbild hatte.“ Er beschrieb seine eigene Erfahrung – und bestätigte damit gleichzeitig meine. Zwei Generationen, dasselbe Problem, zum ersten Mal ausgesprochen. Sein Vater verschwand nicht als Gefallener nach dem Krieg aus seinem Leben – sondern weil er nach dem Grauen nicht mehr in eine Existenz mit einer Alkoholikerin und zwei Kindern zurück wollte und stattdessen anderswo neu anfing. Genau das tat später auch mein Vater, als meine Mutter ihn für einen anderen Mann verließ – und nach seiner eigenen Beschreibung war es das Beste, was ihm passieren konnte. Für mich wäre das nie eine Lösung gewesen – aber ich kann es heute verstehen. Solange eine rosenkriegswillige Mutter, die ihre Kinder als Soldaten missbraucht, ungehindert so viele Ressourcen vernichten kann, ist der Rückzug manchmal die einzig sinnvolle Antwort. Drei Generationen, dasselbe Muster. Kein Mann hat versagt – keiner hatte ein Modell oder gesellschaftliche Unterstützung. Im Zweifel wird er als das Problem geframt, weil er sich der natürlichen Ordnung nicht beugt.
Unsichtbare Strukturen lassen sich nicht ändern.
Echte Gleichberechtigung braucht beide Seiten im Blick. Nicht aus Großzügigkeit, sondern aus ehrlicher Analyse. Wer das ignoriert, torpediert das ganze Projekt – und verfestigt genau die Stereotypen, gegen die er angeblich kämpft.

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