oder der Wunsch nach verlustfreier Fortpflanzung

Spiegel Online veröffentlichte vor einigen Jahren eine Studie, der zufolge „Frauen in Deutschland nach Elternzeit meist deutlich schlechter bezahlt“ werden. Konkret: Wer mehr als ein Jahr Auszeit nimmt, verdient danach im Schnitt knapp zehn Prozent weniger pro Stunde als kinderlose Kolleginnen – selbst bei weniger als einem Jahr Elternzeit beträgt das Minus noch 6,5 Prozent.

Die FAZ legte nach und stellte fest, dass Frauen ohne Kinder im Laufe ihres Berufslebens 40 Prozent mehr verdienen als Frauen mit einem Kind – und satte 70 Prozent mehr als Frauen mit drei oder mehr Kindern.

70 %.

Worüber soll man sich mehr wundern: Dass alle so tun, als sei das eine überraschende Erkenntnis? Oder dass niemand die naheliegende Frage stellt, ob wir hier endlich die Erklärung für das große Mysterium des „bereinigten Gender Pay Gaps“ gefunden haben – und dafür, warum er sich in Deutschland trotz aller Quoten und Gleichstellungsmaßnahmen so hartnäckig hält? Dass dieses Problem in anderen Ländern deutlich schwächer ausgeprägt ist – besonders in Schweden, wo es kaum messbar ist – wundert wirklich jemanden? Hat niemand die Debatten um das Wechselmodell verfolgt?

Es ist offenbar bequemer, sich an die Verschwörungstheorie vom Patriarchat zu klammern – wo sich die grauen Herren im stillen Kämmerlein verabredet haben, Frauen den verdienten Lohn vorzuenthalten und Männern aus Solidarität 20 Prozent mehr zu zahlen, ohne erkennbaren Mehrwert zu erhalten. Klingt irgendwie plausibler.

„Den Autorinnen der Studie zufolge betrachten viele Arbeitgeber Mutterschaft als Ausdruck fehlender Karriereorientierung. In anderen Ländern sei das mitunter nicht der Fall. So habe Mutterschaft in Schweden so gut wie keine negativen Auswirkungen auf die Löhne von Frauen.“

Mutterland Deutschland

Wir leben in Deutschland. Dem Land, in dem die Mutter nicht erst seit Adolf Hitler die Ikone des Familienlebens ist. Heute gibt es Feministinnen wie Antje Schrupp, die gemeinsam mit Mütterlobbyverbänden das bedingungslose Grundeinkommen für Mütter fordern – damit diese sich vom Vater ungestört ihrem Familien-Ego-Projekt widmen können. Wer solche Feministinnen hat, kann seine wütenden alten weißen Männer in Rente schicken. Dank des Feminismus des 21. Jahrhunderts braucht es keine Penisträger mehr, um die Gleichstellung im Berufsleben zu torpedieren.

In Ländern wie Schweden hätte sich auch keine amtierende Justizministerin im Fernsehen so peinlich gleichberechtigungsfeindlich zur Kinderbetreuungsfrage geäußert, wie es Katarina Barley seinerzeit in den Tagesthemen zum Thema „Leitbild Wechselmodell in Deutschland“ tat. Sie hielt ein Leitbild Wechselmodell für unrealistisch – weil man eine Mutter schließlich nicht zwingen könne, wieder selbst ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Wundert sich jemand, dass Arbeitgeber den Verdacht entwickeln, Kinderkriegen in Deutschland sei ein Ausdruck mangelnden Karrierewillens?

Wenn Frau sich in der Ehe darauf verlassen hat, dass ihr Mann alles verdient – wann soll man die guten Frauen dann überzeugen, etwas gegen die Gender Pension Gap zu tun? Zehn Jahre vor der Rente, wenn die Kinder aus dem Haus sind? Der Versorgungsausgleich, der ihr die Hälfte der Rentenpunkte ihres Partners sichert, reicht schließlich nur bis zum Ende der Ehe.

Gleichberechtigung ist keine Einbahnstraße

Wenn eine feministische Ex-Justizministerin meint, Gleichberechtigung im Familienrecht könne es nicht geben, weil man eine Hausfrau und Mutter nach der Trennung doch nicht zwingen könne, ihr eigenes Geld zu verdienen – dann darf man Heuchelei unterstellen, wenn dieselbe Frau sich am Equal Pay Day über die Konsequenzen dieser Haltung aufregt.

„Denn erst, wenn Familie auch für Männer zum Karriererisiko wird, wird sie aufhören, überhaupt ein Karriererisiko zu sein.

„Böse alte weisse Heteros“
https://sexismusbeauftragter.wordpress.com/2018/07/12/boese-alte-weisse-heteros/#more-4774

Die Wahrheit dieser Aussage zeigt sich in der Bertelsmann-Studie ebenso wie in der älteren Studie der Hans-Böckler-Stiftung. Wer sich Schweden – das im Spiegel-Artikel lobend erwähnte Vorzeigeland – einmal genauer ansieht, stellt fest: Dort hat man ERST die Gleichberechtigung der Eltern zum Standard gemacht, bevor man sich darüber beschwert hat, dass Frauen allein mit der Kinderbetreuung dastehen.

Grundsätzlich sind Eltern auf dem Arbeitsmarkt durchaus geschätzt – sie sind loyal, weil sie selten Lust haben, sich einen neuen Job zu suchen, der längere Pendelstrecken oder einen Umzug mit sich bringt. Ich erlebe das selbst: Ich schlucke lieber ein paar Kröten in einem Projekt, das im Einzugsbereich liegt und mir erlaubt, meine Tochter jeden Abend ins Bett zu bringen, als ein besser bezahltes oder technisch interessanteres Projekt anzunehmen, das mich zum Pendler machen würde. Bei Familienmenschen hängt mehr dran als ein Kaffeebecher und eine Zahnbürste. Wer einmal einen halbwegs anständigen Kindergarten gesucht hat, der mehr ist als eine Verwahranstalt, kann sich vorstellen, was ein Jobwechsel für eine Familie bedeutet.

Natürlich gibt es Nachteile: kranke Kinder, weniger Flexibilität für Auslandsaufenthalte, pünktlicher Feierabend. Aber diese Nachteile wiegen die Vorteile in der Regel auf – und in der öffentlichen Wahrnehmung lasten sie trotzdem nur auf einem Paar Schultern: den weiblichen.

Dafür gibt es im Wesentlichen zwei Gründe.

1. Ungleichbehandlung von Müttern und Vätern im Familienrecht

Das deutsche Familienrecht ist spätestens nach der Trennung noch immer auf die Hausfrauen-Versorger-Ehe fixiert, die der Gesetzgeber eigentlich 1976 abgeschafft hat. Damals gewann die Frau das Recht, zu arbeiten, ohne dass ihr Mann ihr einen Strich durch die Rechnung machen konnte. Männern wurde im Gegenzug kein entsprechendes Recht bei der Kinderbetreuung eingeräumt. Nach der Ehe gilt meist, was schon in der Ehe galt: einer betreut, einer bezahlt – und in den meisten Beziehungen entscheidet die Frau, wer welche Rolle übernimmt.

http://www.welt.de/politik/deutschland/article143707254/Warum-die-meisten-Muetter-Vollzeitarbeit-ablehnen.html

Da das Schuldprinzip abgeschafft wurde, ohne die Gleichberechtigung im Sorgerecht ebenso vehement voranzutreiben, war sexistischen Rollenverteilungen nicht nur in der Ehe, sondern vor allem bei Trennungen seit den späten 1970ern Tür und Tor geöffnet. Von unverheirateten Vätern brauchen wir hier gar nicht erst zu reden: Sie waren vor 1998, als das Umgangsrecht eingeführt wurde, vollkommen rechtlos.

Gemeinsames Sorgerecht als Standard – in Schweden bei verheirateten Eltern seit 1974 und bei unverheirateten seit 1980 – wurde in Deutschland bei verheirateten Eltern erst knapp ein Vierteljahrhundert später eingeführt. Unverheiratete Väter konnten lange überhaupt keine Rechte anmelden, wenn die Mutter nicht wollte. Das 1998 eingeführte Umgangsrecht war ein zahnloser Tiger, solange die Mutter einfach 300 Kilometer wegziehen oder den Umgang jahrelang ohne ernsthafte Konsequenzen torpedieren konnte. Das Recht, auch gegen den Willen der Mutter das Sorgerecht zu erstreiten, existiert erst seit 2013. Das Sorgerecht automatisch zu bekommen – wie seit Jahrzehnten in Schweden üblich – ist bis heute nicht gesetzlich verankert.

Bild

Das alleinige Sorgerecht erhält man als Mann auch heute nur, wenn bekannt wird, dass die Mutter schwere Alkoholikerin ist oder in der Privatwohnung ein Bordell betreibt. Ein Wechselmodell gegen den Willen der Mutter anzuordnen – in Schweden seit 1998 möglich – traute sich vor 2017 kaum ein Richter. Und selbst der BGH blieb in seinem Beschluss vom Februar 2017 (XII ZB 601/15) weit hinter dem zurück, was andere Länder längst als Trennungsstandard haben:

Eine gerichtliche Umgangsregelung, die im Ergebnis zu einer gleichmäßigen Betreuung des Kindes durch beide Eltern im Sinne eines paritätischen Wechselmodells führt, wird vom Gesetz nicht ausgeschlossen. Auch die Ablehnung des Wechselmodells durch einen Elternteil hindert eine solche Regelung für sich genommen noch nicht. Entscheidender Maßstab der Regelung ist vielmehr das im konkreten Einzelfall festzustellende Kindeswohl.“

BUNDESGERICHTSHOF BESCHLUSS XII ZB 601/15
http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=en&nr=77519&pos=0&anz=1

Nach einer Trennung liegt die Betreuung der Kinder in der Regel bei der Mutter. Die Weisheit des Richters aus Brechts „Der kaukasische Kreidekreis“ – der erkennt, dass die biologische Mutter aus reiner Geldgier ihr Kind zu zerreißen droht – ist in deutschen Familiengerichten ein absoluter Ausnahmefall.

Das schafft für Unternehmen eine Situation, in der die Beförderung junger Männer bei annähernd gleicher Qualifikation die rationalste Entscheidung ist. Denn die Regelungen im deutschen Familienrecht und der institutionelle Sexismus der Trennungsbehörden sorgen dafür, dass über 90 Prozent der Alleinerziehenden Frauen sind.

Da muss die Bewerberin schon unschlagbare Qualifikationsvorteile vorweisen – oder dem Arbeitgeber glaubhaft machen, dass sie eher dem Typus Katja Suding entspricht, die es nach ihrer Trennung für selbstverständlich hielt, dass sich beide Eltern um das Kind kümmern.

Sprich: Während der Beziehung kompensieren Männer meist mit Überstunden den Einkommensverlust der Partnerin – und nach der Trennung sollen sie damit, dem Wunsch von Alleinerziehendenverbänden und der damaligen Justizministerin Barley zufolge, bitte weitermachen. Mal ehrlich: Für welchen Kandidaten würden Sie lieber Mentor sein?

„Eine Trennung ist ja kein Tabula rasa, sondern sollte an das anknüpfen, was Eltern vorher gelebt haben. Und es ist weiterhin so, dass Paarfamilien viel traditioneller leben, als die Diskussion uns denken lässt.„

https://www.mdr.de/nachrichten/politik/gesellschaft/eds-streit-wechselmodell-100.html

2. Herdprämie 2.0: das Elterngeld

Frauen wählen sich auch 40 Jahre nach der rechtlichen Gleichstellung im Berufsleben mehrheitlich Partner, die besser verdienen. Ein Blick auf die Elterngeldzahlen zeigt, wie sich das auswirkt: Männliche Elterngeldbezieher verdienten im Erhebungszeitraum im Schnitt 660 Euro mehr als weibliche. Was die Zeit seinerzeit als Ansporn für mehr Väter in Elternzeit deutete, ist im Familienalltag, wo das Einkommen meist auf den Euro genau verplant ist, schlicht ein finanzieller Nachteil – weil die Differenz zum Maximaleinkommen umso größer wird.

Und das nur im Optimalfall: Das Elterngeld kompensiert ohnehin nur zwei Drittel des Einkommens und ist bei 1.800 Euro gedeckelt. Ein Mann mit 3.600 Euro netto verliert damit die Hälfte seines Einkommens. Ein Abteilungsleiter mit 5.000 Euro netto verliert fast zwei Drittel, wenn er lieber Windeln wechselt. Glauben Sie, dass der dann – falls überhaupt – mehr als die obligatorischen zwei Monate nimmt?

Das 2007 von der ersten Großen Koalition unter Angela Merkel eingeführte Elterngeld könnte man deshalb auch „Herdprämie 2.0″ nennen: Durch seine Deckelung schafft es einen Rahmen, in dem der Besserverdiener – überwiegend der Mann – schon aus finanzieller Notwendigkeit von einer längeren Kinderbetreuung ferngehalten wird. Die Versorgerrolle des Mannes wird nicht aufgebrochen, sondern zementiert.

Ein Vergleich mit Schweden zeigt, wie es anders gehen kann. Schweden führte das Elterngeld 1974 als erstes Land überhaupt ein – und hat die strukturellen Schieflagen von Beginn an mitgedacht. Elterngeld gibt es dort für 480 Tage, davon je 60 Tage fest für einen Elternteil reserviert (nicht übertragbar). Der Rest kann frei aufgeteilt werden. Für 390 Tage werden 80 Prozent des Lohns gezahlt – bei Einführung waren es sogar 90 Prozent, was die männliche Hemmschwelle wirksam senkte. Der Maximalbetrag liegt bei rund 80 € pro Tag, also ca. 2.400 € im Monat.

Was das in der Praxis bedeutet, zeigt ein Rechenbeispiel mit einem Paar, bei dem der Mann 3.000 € netto verdient und die Frau 2.340 €:

DeutschlandSchweden
Einkommen Mann3.000 €3.000 €
Einkommen Frau2.340 €2.340 €
Elterngeld Mann1.800 € (−40 %)2.400 € (−20 %)
Elterngeld Frau1.560 € (−33 %)1.872 € (−20 %)
Familieneinkommen gesamt5.340 €5.340 €
Frau in Elternzeit4.560 € (−15 %)4.872 € (−9 %)
Mann in Elternzeit4.140 € (−22 %)4.740 € (−11 %)

In Schweden macht der Unterschied, ob Vater oder Mutter zu Hause bleibt, gerade mal 130 € aus – das sind 2 Prozent des möglichen Familieneinkommens. In Deutschland beträgt die Differenz zwischen mütterlicher und väterlicher Elternzeit fast 8 Prozentpunkte, zusätzlich zu den 15 Prozent, die die Elternzeit der Mutter ohnehin kostet.

Kein Wunder, dass Schweden bei der Väterquote in Europa lange Spitzenreiter war.

Mit der Fixierung auf niedrigere Einkommen beim Elterngeld lohnt es sich in Deutschland bei den meisten Familien nur, wenn die Mutter in Elternzeit geht. Das lässt die traurige Bilanz der geringen Väterquote beim Elterngeld vielleicht etwas im anderen Licht dastehen. Deutschland tut leider nicht viel, um hier einmal einen Geschlechterausgleich zu schaffen. Kein Wunder, wenn da die Gehalts- und Karrierelücke besonders deutlich nach dem ersten Kind aufklafft.

Nicht mangelnde Lust oder Verantwortungslosigkeit hält deutsche Väter von der Kinderbetreuung fern – es ist schlicht das System.

(Kleiner Sidefact: Schweden hat kein Frauenministerium. Gleichstellungsthemen werden dort vom „Jämställdhetsminister“ – dem Gleichheitsminister – behandelt, der im Bildungsministerium angesiedelt ist.)

Wer einmal den ARD-Film „Papa, trau dich!” über Väter in Elternzeit gesehen hat, stellt fest: Die meisten dort vorgestellten Väter sind untypische Fälle – Paare, in denen die Frau mehr verdient und nach der Geburt schnell wieder ins Berufsleben eingestiegen ist. In meinen beiden Geburtsvorbereitungskursen gab es genau ein solches Paar. Und die einzige weibliche CFO eines NASDAQ-notierten Unternehmens, die ich in meinem Berufsleben kennengelernt habe, war ebenfalls in genau dieser Konstellation verheiratet.

Da bestätigt sich Sheryl Sandbergs Zitat: „Die wichtigste Karriereentscheidung ist Ihre Partnerwahl.

Bildergebnis für sheryl Sandberg zitate the most important career decision

P.S. Wie ich mittlerweile festgestellt habe, ist Norwegen da sogar noch weiter: Seit Einführung der weltweit ersten Väterquote 1993 – damals vier Wochen, seither schrittweise auf 15 Wochen erhöht – stieg die Inanspruchnahme der Elternzeit durch Väter innerhalb von sieben Jahren von 4 auf 85 Prozent und pendelte sich im vergangenen Jahrzehnt bei rund 90 Prozent ein. Awblog Norwegen bietet dabei die Wahl zwischen 49 Wochen mit voller Lohnfortzahlung oder 59 Wochen mit 80 Prozent – von denen jeweils 15 bzw. 19 Wochen fest dem Vater vorbehalten und nicht übertragbar sind. European Commission

Zusätzlich sehen viele Kollektivverträge vor, dass Arbeitgeber die Differenz zum gesetzlichen Höchstbetrag übernehmen – Elternzeit bedeutet für die meisten norwegischen Familien also keine oder nur geringfügige Einkommensverluste. Awblog Der entscheidende Trick dabei: Wer die reservierten Wochen nicht nimmt, verliert sie – sie können nicht auf die Mutter übertragen werden. Wenn man Männern eine echte Wahl lassen will, muss man ihnen manchmal auch eine echte Konsequenz geben.

13 Antworten zu „Warum nicht gleichberechtigt erziehen?“

  1. Avatar von Semikolon
    Semikolon

    „Mit der Fixierung auf niedrigere Einkommen beim Elterngeld lohnt es sich in Deutschland bei den meisten Familien nur, wenn die Mutter in Elternzeit geht“

    Was meinste denn damit?

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    1. Avatar von Fatherleft

      Damit meine ich, dass das Elterngeld eine typische SPD-Lösung ist. Schon mit der Tatsache, dass sie nur zwei Drittel kompensiert ist der Gleichstellungseffekte verpufft. Es zementiert es schon die Rollenverleitung, solange Frau im Schnitt immer noch Männer haben die deutlich mehr Verdienen, weil die meisten Familien schon aus wirtschaftlichen Gründen geneigt sein werden, den Verlust so gering wie möglich zu halten, und die Elternzeit schwerpunktmäßig vom schlechter verdienenden Partner machen zu lassen. Deshalb vermutlich auch bei den meisten Männern maximal die 2 Bonusmonate. Jene die sich das tatsächlich paritätisch aufteilen, sind vermutlich jene Minderheit, wo beide annähernd gleich verdienen. Nach den Zahlen der Elterngeldkasse von 2012 bekommen Männer im Durchschnitt 440 € mehr Elterngeld, d. h. der Familienkasse fehlt bei ihrer Elternzeit 220 €. Das sind knapp 10 %, des maximal möglichen Einkommens mit Elterngeld von 2415 € und die Zahlen verschleiern natürlich die tatsächlichen Einkommensunterschiede, weil jene bei denen der Abstand noch größer wäre meist gar nicht erst Elterngeld beantragen, denn wenn der Familienkasse plötzlich 1000 € und mehr fehlen, können (oder wollen) die meisten Familien damit gar nicht leben. In Schweden hat man dem Entgegen gewirkt, dass man anfangs 90 % (gegenwärtig immer noch 80 % des Gehaltes kompensiert).
      Das zweite große Problem ist in Deutschland die Deckelung bei 1800 €. Damit schaut man vor allem auf jene Familien die Durchschnittlich viel verdienen. 2018 war der Durchschnittslohn 3770 € Brutto, da macht in SK 4 ca. 2300 € Netto. Damit wäre man knapp unter der Deckelung des Elterngeldes. Es wird dabei aber nicht berücksichtigt, dass Männer in der Regel mehr verdienen als ihre Partnerinnen. Männer sind also weit eher unter den Menschen, die deutlich höhere Einschnitte beim Elterngeld in Kauf nehmen müssten. Bei meiner Frau war es z. B. nicht 1/3 was Wegfiel, sondern fast die Hälfte. Bei mir wäre es fast zwei Drittel. Je mehr du verdienst, desto schlechter ist dein Schnitt. In einer klassischen Familienkonstellation, wo sich ein Paar auf einen Lebensstandard eingerichtet hat, der auf zwei Volleinkommen basiert ist es schon eine Einschränkung, wenn ein zusätzlicher Esser dazu kommt, mit einem 33 % weniger in einem Einkommen auszukommen, aber wenn man dann auch noch auf 33 % oder 50 % des höheren Einkommens verzichten muss, fällt es schon schwer den Wert der Elternzeit zu sehen, wenn man dann statt Nutella den billigen Schuhcremeersatz vom Discounter kaufen muss, weil die Hypothek für die Schicke Altbauwohnung muss ja trotzdem beigebracht werden. In Schweden begegnete man auch dem Problem in dem man nicht nur einen höheren Anteil, sondern auch absolut mehr Elterngeld zur Verfügung stellt. Irgendwann später, wenn sich der Wert der Elternzeit im Volksbewusstsein verfestigt hat, kann man sicherlich an dem einen oder anderen Stellrad drehen, aber nicht zu Anfang, wenn man erstmal möchte, dass der Rollenverteilungstanker erstmal seinen Kurs ändert

      Eine kleine Korrektur oder Ergänzung zum Durchschnittseinkommen: Anfang 2020 war dieses 3.880 € und beim direkten Vergleich von Männern und Frauen ist es 3.964 € Butto (ca. 2.474,13 netto) bei Frauen 3.300 € (Netto 2.134,05)

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      1. Avatar von Semikolon
        Semikolon

        Ist Dir bekannt, dass vor der Umstellung bzw. Einführung der Vätermonate Familien mit (tatsächlich) geringen Einkommen pro Kind ganze zwei Jahre lang 300 Euro monatliche Unterstützungsleistung erhielten? Dieser Gruppe wurden (als Einziger, alle Anderen profitierten) durch die Reform die Bezüge faktisch halbiert. Seltsame „Fixierung“?!

        „Nach den Zahlen der Elterngeldkasse von 2012 bekommen Männer im Durchschnitt 440 € mehr Elterngeld“

        Was eine himmelschreiende Ungerechtigkeit ist.

        Mehrfachmütter erhalten besonders häufig nur den Mindestsatz (weil die Geburtenabstände typischerweise eher gering sind), die dazugehörigen Väter stehen also leicht unter noch stärkerem Erwerbsdruck als vor Einführung des Elterngelds.

        Das Problem löst man imho nur, wenn man das neue Elterngeld zukünftig Einkommensunabhängig konzipiert.

        Am Ende jedes Trimesters sollte der Schwangeren/Mutter eine Prämie ausbezahlt werden im Gesamtwert des Bundesdeutschen Vorjahresnettos. Damit erreichte man alle Familien – auch die mit Selbstständigen (die mit den jetztigen, nachgeburtlichen Arbeitszeit/verdienstbeschränkungen wirklich viele Schwierigkeiten haben). Und keine wäre gegenüber jetzt schlechtergestellt, es gäbe endlich mal nur Gewinner.

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        1. Avatar von Semikolon
          Semikolon

          Ok: das bundesdeutsche Vorjahresnetto ist vielleicht zu tief gegriffen und es sollte besser -brutto heißen. Was meinst Du?

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        2. Avatar von Fatherleft

          Ja weiß ich, habe ich auch bei meinem zweiten auch nur 300 € und das Kindergeld für beide Kinder bekommen und ich habe trotzdem als Selbstständiger zwei Monate freigenommen, vor allem damit mein Sohn nicht hinten überfällt, während die Mutter auf seine Schwester fixiert war. Ich sage ja nicht, dass das Elterngeld an sich eine schlechte Idee ist, ich sage nur, dass es den Zweck verfehlt einen Wechsel der Rollenmodelle zu unterstützen, weil die Elternzeit der Besserverdienenden (in den allermeisten Fällen Männer) katastrophaler auswirkt. Beim zweiten Kind noch mehr, weil die Mutter in der Elternzeit meist noch weniger verdient hat. Das Problem habe ich mir meiner zweiten Frau jetzt auch gerade, wo wir über mein 4. und ihr 2. Kind nachdenken.
          Die Lösung ist nicht es einkommensunabhängig zu konzipieren. Wie soll das gehen? Alle bekommen einfach das einkommen eines Abteilungs- oder Bereichsleiters kompensiert? Man kann das nur verhindern, indem das Einkommen des Elterngeldempfängers möglichst Vollständig kompensiert, wie in Schweden, denn dann ist es egal, wer zu Hause bleibt, dann kann die Frau auch ihren schlecht bezahlten Job in der Galerie weiterverfolgen, während der Großverdiener Papa zu Hause bleibt. Das ist der einzige Weg, wenn man Rollenmodelle aufbrechen will und nicht einfach nur alleinerziehenden Müttern das Alleinerziehen noch attraktiver gestalten möchte. Bei deinem Vorschlag würden vermutlich diverse Hartz-IV-Empfänger Kinderkriegen zum Geschäftsmodell machen.

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        3. Avatar von Fatherleft

          btw. was ist daran eine „himmelschreiende Ungerechtigkeit“? Wenn die vorher 660 € oder mehr im Monat mehr verdienen? Jedes Konzept, welches sich nicht an den tatsächlichen Einkommen der Elterngeldempfänger orientiert ist, ein Anreiz, um Kinder wegen der Subvention zu bekommen. Das kann nicht ernsthaft dein Ziel sein.

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        4. Avatar von Fatherleft

          „Dieser Gruppe wurden (als Einziger, alle Anderen profitierten) durch die Reform die Bezüge faktisch halbiert. Seltsame „Fixierung“?!“
          Keine Ahnung, was du mir damit sagen willst. Dass es gemein ist, dass Hartz-IV-Aufstocker Elterngeld nur noch ein Jahr bekommen? Kann man so sehen. Ziel des Elterngeldes ist meiner Ansicht nach nicht Menschen, die Ohnehin von Transferleistungen leben zum Kinderkriegen zu ermutigen, sondern Familien, die ein Einkommen bekommen die Chance zu geben, sich um ihre Kinder zu kümmern, ohne dass Papa mit 10 Überstunden pro Woche Mamas komplettes Einkommen kompensiert. So können sie etwas Sparsamer leben und Papa bekommt auch als Vollverdiener noch etwas mehr von seinem Kind mit. Im Idealfall, wenn sie nicht ohnehin komplett auf sein Einkommen angewiesen sind, kann er sogar noch mal ein paar Monate komplett mit dem Kind verbringen.

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        5. Avatar von Semikolon
          Semikolon

          „Ich sage ja nicht, dass das Elterngeld an sich eine schlechte Idee ist, ich sage nur, dass es den Zweck verfehlt einen Wechsel der Rollenmodelle zu unterstützen, weil die Elternzeit der Besserverdienenden (in den allermeisten Fällen Männer) katastrophaler auswirkt.“

          Ich würde die Finanzierungs- und die Care-frage hier gern seperat betrachten.
          Heißt: um die Väter zu mehr häuslicher Präsenz zu kriegen, würde ich ein anderes Mittel wählen als Transferzahlungen. Eine gleichberechtigte Väter-/Familienschutzzeit nämlich (wobei ich gleich dazusagen will, dass ich das Mutterschaftsgeld gedanklich ebenso streiche bzw. in die Familiengründungsprämie miteinfliessen lasse). Da ich Totalitarismus ablehne selbstverständlich mit Ausnahme. Sollte es einer werdenden/frischgebackenen Mama also wirklich unwichtig sein, ob der Kindsvater ihr in den Wochen vor und nach der Geburt mit voller Kraft rund um die Uhr unter die Arme greifen kann, könnte sie wirksam eine Verzichtserklärung unterschreiben.

          „Beim zweiten Kind noch mehr, weil die Mutter in der Elternzeit meist noch weniger verdient hat. Das Problem habe ich mir meiner zweiten Frau jetzt auch gerade, wo wir über mein 4. und ihr 2. Kind nachdenken.“

          Wie lang will sie zuhause bleiben, stillen, ihrem Körper ein bisschen Erholungszeit gönnen?

          „Jedes Konzept, welches sich nicht an den tatsächlichen Einkommen der Elterngeldempfänger orientiert ist, ein Anreiz, um Kinder wegen der Subvention zu bekommen. Das kann nicht ernsthaft dein Ziel sein.“

          Warum denn das individuelle und nicht wieder das Familieneinkommen zur Betrachtungsgrundlage machen?

          Im Extrem erhält ein Paar, wo beide Partner den Höchstsatz erreichen, schließlich 25.200 Euro Elterngeld – und die Arbeitereltern in systemrelevanten Berufen (häufig ohne Eigentum oder Rücklagen) bloß 3.600 Euro.
          Das ist ein unsäglicher Betrug und verstößt heftig gegen den Gleichheitsgrundsatz. Mich macht das wütend. Solidarität ist gefragt.

          „Keine Ahnung, was du mir damit sagen willst. Dass es gemein ist, dass Hartz-IV-Aufstocker Elterngeld nur noch ein Jahr bekommen?“

          Also soweit ich weiß, kriegen Hartz-IV-Empfänger keinen Cent Elterngeld. Oder Kindergeld. Die Corona-Hilfszahlung jetzt, die kriegen sie ausnahmsweise mal. Und ich wette, das liegt an Saskia Esken.

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        6. Avatar von Fatherleft

          Du kannst die Finanzierungs und Care-Frage nicht getrennt betrachten, Das hat man vorher schon versucht und du Kannst Männer nicht zu Elternzeit zwingen, wenn die Familie damit pleite geht.

          Nein Stillen hat schon beim ersten mal nicht geklappt. Sie findet es ganz klassisch einfach sinnvoller sich um einen großartigen Menschen kümmern, als in Boardmeetings zu sitzen, wo ihr Jobs „Risikobewertung im Anlagenbau“ sowieso nur als Feigenblatt gesehen wird, welches ohnehin ignoriert wird, wenn der Kunde droht einen anderen Anbieter zu nehmen.
          Warum es keine sinnvolle Idee ist ein pauschales Einkommen fürs Elterngeld zu machen habe ich gesagt. Dann werden Hartz-IV-Empfänger Kinder zur Einkommensgrundlage zeugen. Systemrelevanz hier jetzt plötzlich zum Thema zu machen ist unangebracht. Wenn man meint, dass die zu wenig verdienen muss man das auf Tarifvertragsebene klären und dann damit leben, dass Pflege-Dienstleistungen für Normalverdiener vielleicht unbezahlbar werden.

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        7. Avatar von Semikolon
          Semikolon

          „Du kannst die Finanzierungs und Care-Frage nicht getrennt betrachten, Das hat man vorher schon versucht“

          Was meinst Du damit?

          „und du Kannst Männer nicht zu Elternzeit zwingen, wenn die Familie damit pleite geht.“

          Tu ich doch gar nicht.
          Das Durchschnittsbrutto liegt ja jenseits der 45.000 Euro, wie Du wohl weißt? Damit ließen sich auf jeden Fall auch die zwei Monate Ausfall des Hauptverdiener-Lohns kompensieren.

          „Sie findet es ganz klassisch einfach sinnvoller sich um einen großartigen Menschen kümmern“

          Na und wie lang jetzt? Und zu welchem erwartbaren Elterngeldsatz? Der sich durch Deinen Vorschlag um wieviel Euro ca. erhöhen ließe?

          „Warum es keine sinnvolle Idee ist ein pauschales Einkommen fürs Elterngeld zu machen habe ich gesagt. Dann werden Hartz-IV-Empfänger Kinder zur Einkommensgrundlage zeugen.“

          Du glaubst nicht, dass die das jetzt schon täten? (Also jedenfalls geringstqualifizierte Frauen?)

          „Systemrelevanz hier jetzt plötzlich zum Thema zu machen ist unangebracht.“

          Ne, ist es nicht.
           
          „Wenn man meint, dass die zu wenig verdienen muss man das auf Tarifvertragsebene klären und dann damit leben, dass Pflege-Dienstleistungen für Normalverdiener vielleicht unbezahlbar werden.“

          Also m.E. ist die Heimunterbringung für verrentete Normalverdiener und ihre nächsten Angehörigen eigentlich bereits längst unbezahlbar geworden, aber das ist ja wieder ne andere Baustelle und erklärte auch nicht, mit welchem Recht der Staat die Geburt eines Kindes stark unterschiedlich bezuschusst.

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        8. Avatar von Fatherleft

          „Was meinst Du damit?“
          Dass das aktuelle Elterngeld die Finanzierungsfrage ignoriert und die Verantwortlichen sich dann wundern, dass die Carefrage bei den Frauen hängen bleibt.

          „Das Durchschnittsbrutto liegt ja jenseits der 45.000 Euro, wie Du wohl weißt? Damit ließen sich auf jeden Fall auch die zwei Monate Ausfall des Hauptverdiener-Lohns kompensieren.“
          Ob man das kann, ist ziemlich egal, Klar kann das Ehepaar aus Krankenschwester und Chefarzt in seiner Elternzeit auch von Ihrem Geld leben. Aber wenn Du auf den guten Willen setzt wirst Du halt mit Deiner Erwartung, wie viele das dann tun, schwer enttäuscht werden. Die große Frage ist, ob das Paar das will, und damit verbunden: Warum suchen sich Frauen immer noch jemanden, der so deutlich viel mehr verdient, auch wenn sie seit 76 nicht mehr nennenswert in ihrer Berufswahl eingeschränkt sind und sie kurz danach auch bildungstechnisch gleich zogen haben und somit genauso gut den Familienfinanzierer geben könnten?

          „Na und wie lang jetzt? Und zu welchem erwartbaren Elterngeldsatz?“
          Drei Jahre und als sie nach eineinhalb Jahren in Teilzeit zurückkerte machte die Firma pleite, aber selbst ihr Arbeitslosengeld für annähernd für den maximalen Elterngeldsatz ausreichen.

          „Du glaubst nicht, dass die das jetzt schon täten?“
          Natürlich tun sie es, aber dafür muss man ihnen nicht auch noch noch ein deutsches Durchschnittsgehalt zahlen und somit noch mehr anreizen schaffen.

          „Ne, ist es nicht.“
          Wo sind wir hier im Kindergarten? Doch ist es, weil das, wenn überhaupt ein Thema der Tarifverhandlungen wäre und darüber Auswirkungen auf das Elterngeld hätte. Über staatliche Hilfsgelder verkorkste Tarifpolitik, zu korrigieren. ist ja wohl hochgradig albern.

          „mit welchem Recht der Staat die Geburt eines Kindes stark unterschiedlich bezuschusst“
          Weil Kinderkriegen kein Beruf ist, für den man einheitliche Tarifverträge aushandelt. Einheitliche Bezahlung hallen wir vor dem Elterngeld. Da gab es für alle ein Jahr lang sozialistisch 600 Mark pro Monat für jedes Kind. Einheitlich. Menschen mit geringerem Gehalt hat das eher zum Kinderkriegen motiviert, als Leute die mehr als nur den Mindestlohn verdienen. Das wollte man korrigieren, indem man das Elterngeld, etwas mehr dazu nutzt, um den Einkommensverlust der Eltern im ersten Jahr zu kompensieren. Wie gesagt, in der Form wie man es hier in Deutschland umgesetzt haben, hat das Hinsicht auf Gleichstellung der Carearbeit kaum etwas gebracht. Einen Effekt wie in Schweden, wo man gerade durch die 90 % Kompensation in der Anfangszeit wesentlich mehr dafür getan hat, um die Väter zur Carearbeit zu bewegen, hat man hier damit nicht erreicht.

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        9. Avatar von Semikolon
          Semikolon

          „Klar kann das Ehepaar aus Krankenschwester und Chefarzt in seiner Elternzeit auch von Ihrem Geld leben. Aber wenn Du auf den guten Willen setzt wirst Du halt mit Deiner Erwartung, wie viele das dann tun, schwer enttäuscht werden.“

          Ich setzte nicht auf guten Willen… ich würde es durchaus zur Pflicht für (werdende) Väter machen, die Kindsmutter während des gesamten Mutterschutzes zu unterstützen. Es sei denn, sie verzichtete (partiell) auf ihr Recht (z.B. weil absehbar ist, dass sein Laden sonst pleite ginge).

          „Einheitliche Bezahlung hallen wir vor dem Elterngeld. Da gab es für alle ein Jahr lang sozialistisch 600 Mark pro Monat für jedes Kind.“

          Nein, die 300 Euro waren der über 24 Monate gewährte Maximalbetrag, den aber wirklich nur Familien mit geringem Einkommen erhielten. Da müssen Du und Deine Partnerin also damals zugehört haben, wenn Dir/Euch das Erziehungsgeld in voller Höhe ausbezahlt wurde. Bereits knapp über Durchschnitt verdienende Eltern erhielten schon absolut gar nichts mehr. Und ich verstehe natürlich, dass Menschen das ungerecht fanden, war es ja auch. So wie die Situation jetzt.

          „Einen Effekt wie in Schweden“

          In Schweden nehmen 42 % der Väter Elternzeit. Das ist auch immernoch nur die Minderheit, gar nicht so schrecklich weit weg von unseren Ergebnissen und damit insgesamt a.m.S. noch nicht zufriedenstellend.

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        10. Avatar von Fatherleft

          „Ich setzte nicht auf guten Willen… Ich würde es durchaus zur Pflicht für (werdende) Väter machen“
          Zur Pflicht kannst du es nur machen, wenn ihnen dadurch kein finanzieller Schaden entsteht, wie beim Mutterschutz, wo das komplette Netto der Frau kompensiert wird. Das Ist ein anderes Thema als Elternzeit, welches ich aber als anderes Thema durchaus zu mindestens für die halbe Zeit des Mutterschutzes gäbe (7 Wochen, drei Wochen vor, 4 Wochen nach der Geburt.) unterstützenswert fände. Sozusagen als obligatorischen Vaterschutz, ebenso wie bei der Mutter mit vollem Lohnausgleich und verpflichtend für alle Väter, damit es hier keine Karrierevorteile für Elternzschutzverweigerer gäbe. Aber wie gesagt, das ist etwas anderes als Elternzeit.
          Auf der einen Seite redest du allerdings von „Pflicht“ andererseits von „Recht“, oder meinst du das Recht der Mutter auf Unterstützung? Wäre in jedem Fall eine schlechte Lösung, wenn die Mutter die alleinige Entscheidung hätte.

          „Nein, die 300 Euro waren der über 24 Monate gewährte Maximalbetrag, den aber wirklich nur Familien mit geringem Einkommen erhielten.“

          Zugegeben, das ist bei mir schon recht lange her. Ich vermute wir hatten es bei meiner Tochter für die ersten sechs Monate bekommen, da war das Einkommen nicht ganz so niedrig. Ändert aber nichts daran, dass man mit einer Pauschallösung für Alle, nichts für die paritätische Aufteilung der Erziehung tut, denn solange die Partner unterschiedlich viel verdienen wird es immer lohnender sein, wenn der weniger verdienende die Elternzeit nimmt. Eine Lösung, die sich am Einkommen des Elternzeit nehmenden Elternteiles orientiert und dieses möglichst vollständig kompensiert, ist die einzige sinnvolle Lösung, wenn man hier einen Paradigmenwechsel erreichen will.

          Und was die 42 % von Schweden angeht… Das zeigt nur wie schwer eine Veränderung hier herbei zu führen ist und man sollte dabei auch nicht ignorieren, dass Väter in Schweden wesentlich häufiger 6 Monate und mehr Elternzeit nehmen und nach der Trennung wesentlich häufiger die Betreuung hälftig übernehmen. Selbst mit einem Leitbild Wechselmodell entscheiden sich aber auch in Schweden immer noch viele Paare für klassische Rollenaufteilung.

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