Faszinierend, wenn die gleichen Feministen, die über #MentalLoad und #GenderCareGap jammern, laut aufschreien, wenn die Politik mal Schritte unternimmt, um die Betreuungsleistung von Vätern wertzuschätzen.

Dass das Unterhaltsrecht endlich auch mal die Betreuungsleistung der Väter berücksichtigt und ein Vater, der 45 % der Betreuung übernimmt, zukünftig nicht – wie heute – den gleichen Unterhalt bezahlt wie ein Rabenvater, der sein Kind nie sieht, sollte ein Grund zur Freude sein. Die alte Regelung – gepaart mit der gesteigerten Erwerbsobliegenheit bei Unterhaltspflichten – ist sicher einer der Hauptgründe, welcher Väter von der Betreuungsleistung abhält.

Doch statt sich über einen Schritt in Richtung Gleichberechtigung zu freuen, wie man es von progressiv-feministischen Menschen erwarten würde, spinnt der Mütterlobby-Journalismus von CORRECTIV und Stern absurde Verschwörungstheorien über Strippenzieher aus der Vaterrechtsbewegung herbei. Gegen die Unterstellung es gäbe hocheffektive Vaterrechtlernetzwerke, welche die Gesetzgebung und Familiengerichte unterwandert haben, wirken die »reptiloide Eliten« der QANON-Bewegung wie fundierte Wissenschaft und jeder Flatt-Earthler bekommt die Aura eines Wissenschaftsfanatikers.

Jeder »Vaterrechtler« der sein – von seine Sisyphusaufgabe – geschundenes Ego wieder aufbauen will, sollte diesen Unfug, den Stern und Correctiv als Enthüllungsjournalismus verkaufen wollen (https://www.stern.de/gesellschaft/vaeter-bilden-netzwerke–wie-sie-am-familiengericht-gewinnen-wollen-33836902.html) mal lesen.

Nach der Lektüre fühlt er wie Lord Sidious aus der Star Wars-Prequel-Trilogie.

Die Propaganda der Mias leistet hier ganze Arbeit.

Allerdings verfliegt dieser manische Schub bei der nächsten Beratungsrunde, wenn er mit den traurigen Realitäten konfrontiert wird. In der geben Väter immer noch gerne fünfstellige Beträge aus, um überhaupt noch eine Rolle im Kind des Lebens spielen zu dürfen.

Die Behauptung, dass geheime Nazi-Väternetzwerke, die Politik unterwandern, lässt sich mit zwei einfachen Fragen widerlegen:

1. Wer bekommt mehr finanzielle Unterstützung von den einschlägigen Ministerien? Väter- oder Mutterlobbyorganisationen wie der VaMV? Wer erinnert sich noch an den Aufschrei, als die letzte Regierung 2021 beschloss, auch mal einer Organisation wie dem »Forum Soziale Inklusion« (FSI) Bundesgelder zur Verfügung stellen sollte. Für alle, die den nicht kennen, ist das eine Organisation, die u. a. auch Vaterrechte im Fokus hat. Das FSI wartet immer noch auf sein Geld. Bürokratische Taschenspielertricks des Frauenministeriums, welches einen Kafka-Roman offenbar für eine Gebrauchsanweisung hält, haben Auszahlungen in den vergangenen zwei Jahren erfolgreich verhindert. Wohingegen praktischerweise die aktuelle Familienministerin gleich Mitglied in der einflussreichsten Mutter-Lobbyorganisation VaMV ist. Wundert sich jemand, dass Unterhalt und Wechselmodell da nicht auf der Agenda des Ministeriums stehen?

2. Wie viele Gesetze wurden in den vergangenen 25 Jahren erlassen, die väterliche Selbstbestimmung im Familienrecht im Fokus hatten? Und hatte die Lobbyarbeit böser Vaterrechtler einen Einfluss darauf?

Ich löse mal auf. Während sich die Erfolgsgeschichte des VaMV wie eine Neuauflage der Gutenbergbibel wirkt, gab es kein Gesetz in den vergangenen 25 Jahren, welches durch politische Lobbyarbeit von Vaterrechtler die Situation von Vätern verbessert hat.

Die einzige Gesetzesänderung, die in den vergangenen 25 Jahren eine Annäherung an die Gleichberechtigung der Eltern bedeutete, war die Einführung des Sorgerechts von unverheirateten Vätern gegen den Willen der Mutter. Und das war kein Geschenk irgendeiner Partei, sondern das Ergebnis einer Diskriminierungsklage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte(EGMR).

Ein unverheirateter Vater klagte sich acht Jahre lang durch alle Instanzen und verlor immer wieder, auch 2003 vor dem Bundesverfassungsgericht, bis der EGMR am 2. Dezember 2009 das Urteil fällt: Ledige Männer werden in der Bundesrepublik benachteiligt. Sie müssen sich das Sorgerecht vor Gericht erstreiten dürfen. Deutschland hat mit seinem seit 1998 im Gesetz stehenden Veto-Recht, mit welchen die Mutter über das väterliche Sorgerecht entscheiden konnte, Väter diskriminiert.

Progressive Länder wie Schweden haben das aus automatische gemeinsame Sorgerecht übrigens bereits seit den 80er-Jahren als Standard. Zu der Zeit gab es in Deutschland nicht einmal ein Umgangsrecht von unverheirateten Vätern. Das kam erst 1998. Zwei Jahre, nachdem mir der freundliche Jugendamtsmitarbeiter bei meiner ersten Vaterschaftsanerkennung erklärte „Rechte haben sie damit keine, Sie dürfen nur zahlen.“

Die Verschwörungstheorien der Mutterlobby über schlagkräftige Vaternetzwerke sind leider das peinliche Aufjaulen Frauen, die nicht damit klarkommen, dass Gleichberechtigung im Familienrecht ebenso an seinen Privilegien kratzt, wie die Gleichberechtigung im Arbeitsmarkt in den 70ern an den Vorrechten der Männer kratzte.

Sie sollten, sollte sich schämen, wenn sie sich Feministin nennen. denn das Vermehren von Privilegien ist ihnen wichtiger als Gleichberechtigung.

Ihre Lügengeschichten über antifeministische Nazi-Vaterrechtler werden auch durch die ewige Wiederholung nicht wahr, aber wie sagte der alte Joseph Goebbels schon als Fachmann für Lügenpropaganda: Das müssen sie auch nicht, wenn man es oft genug wiederholt bleibt das immer bei einigen hängen. So funktioniert Propaganda. Einfache Aussagen wie „Väter(rechtler) sind alles frauenfeindliche Nazis, die eigentlich nur ihre Ex-Partnerin ärgern wollen“ und dann in Heavy Rotation auf allen Medienkanälen.

In Zukunft wird jeder Politiker einen großen Bogen um Themen der väterlichen Gleichberechtigung machen, um nicht als antifeministischer Nazi zu gelten.

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